Denkmal des Monats - Januar 2007

Südliches Westfalen und Münsterland
ehemaliges Jagdschloss Schwarzenau (Bad Berleburg)



Die überlieferte Geschichte des Gutes der Grafen Sayn-Wittgenstein-Hohenstein setzt mit der Erwähnung eines herrschaftlichen Hofes Schwarzenau im Jahr 1538 ein. Über Jahrhunderte dienten das Herrenhaus nebst landwirtschaftlichem Vorwerk unmittelbar am linken Ufer der Eder wechselweise als Witwensitz und Jagdschloss, als Sommer- und heute als Hauptresidenz.

In ihrer heutigen Gestalt zeigt die Anlage eine spätbarocke Prägung. Im Jahr 1788 entstand das heutige Herrenhaus auf einem planierten Gelände über einer hohen Flutmauer parallel zum Fluss. Zu den damals bereits bestehenden Baulichkeiten, die in den langgezogenen Wirtschaftstrakt entlang der Straße einbezogen sind, wurde deutlicher Abstand gewahrt. Die dazwischen liegende Fläche - heute eine Rasenfläche mit etwa einhundertjährigem Baumbestand - dürfte einst als geometrischer Garten gestaltet gewesen sein. Eine Steinbank und die Reihe kleiner Statuen entlang dem Hauptzufahrtsweg hinter dem Tor mit seiner feinen Schmiedearbeit sind erhaltene Zeugnisse dieser Anlage. Die Statuen sind in Eibenpflanzungen mit sorgsamem geometrischem Schnitt einbezogen. Zwei großvolumige Wirtschaftsgebäude aus verputztem Bruch-stein schließen die Anlage nach Osten.

Das Herrenhaus ist ein langgestreckter zweigeschossiger Baukörper von 12 Fensterach-sen unter einem Mansardendach. Schon im Baujahr 1788 haben sich „diesen ganzten Sommer ... sämtliche Wittgensteinischen Herrschafften zu Schwartzenau auffgehalten, in deme der Regierende Herr allda, Herr Graff Ludwig ein großes Wohnhauß an der Eder aufführen lassen“, wie die Chronik berichtet. Das Baujahr und die Initialen des Erbauers zieren unter der Krone den Haupteingang. Heute ganz verputzt, ist kaum zu erkennen, dass das Erdgeschoss aus Bruchstein, das obere Stock-werk dagegen in Fachwerk ausgeführt ist. Das benötigte Holz wurde vermutlich auf der Eder über fast 30 km aus dem Abbruch des Herrenhauses Ludwigseck bei Erndtebrück herangeschafft; zahlreiche wieder verwendete Hölzer im Dachwerk bezeugen diese Überlieferung. Die repräsentativen Wohnräume befanden sich von Beginn an in der oberen Etage, während das Erdgeschoss der Hauswirtschaft dient. Das Herrenhaus hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Umgestaltung erfahren. Sie gibt sich am Äußeren durch neue Eingangsportale und vor allem durch den übergiebelten Mittelrisalit mit dem neu geschaffenen Treppenhaus zu erkennen.

Teilweise älter als das Herrenhaus sind die westlichen Teile des Wirtschaftsgebäudes an der Straße. Das obere Stockwerk zeigt kräftiges Fachwerk mindestens des frühen 18. Jahrhunderts. Die Erdgeschosswände sind dagegen in starkem Bruchsteinmauerwerk aufgeführt. Zwei Gewölbekeller und eine Feuerstelle im Flügelbau hinter einem offenen Bogengang lassen die Vermutung zu, dass es sich hier um die Keimzelle des herrschaftlichen Gutes Schwarzenau handelt.