Denkmal des Monats - August 2011

Südwestfalen und Münsterland
Willämshof (Siegen)



Die in der Ortsmitte des Stadtteils Eiserfeld nahe dem Eisernbach gelegene frühere Hofanlage ist ein bedeutendes Denkmal bäuerlicher Kultur inmitten einer gewerblich und industriell geprägten Region. 

Der Bauernhof dürfte aus einer Mehrhausanlage hervorgegangen sein, die noch um die Mitte des 16. Jahrhunderts das Bild Siegerländer Ortschaften prägte.

Diese Mehrhausanlagen bestanden aus einem Wohnhaus und den Wirtschaftsgebäuden, zu denen vor allem Stall und Scheune gehörten. Backhäuser, Schweineställe oder Hühnerhäuser kamen oft auch noch hinzu.

Im 16. Jahrhundert wurden diese Nebengebäude häufig als „Beue", „Beuwe" oder „Beuchen" bezeichnet. Erst im 18. Jahrhundert wurden solche Viehhausanlagen im Siegerland vom mitteldeutschen Einhaus (Ernhaus) abgelöst.

Am Denkmal „Willämshof" lassen sich mehrere Bauphasen am Wohnhaus und auch an der Stallscheune erkennen, deren älteste Teile in das frühe 18. Jahrhundert verweisen.

Hinweise auf eine Entstehungszeit um 1700-1750 finden sich im ehemaligen Tennenbereich mit Dreschraum und der Einfahrt im Wirtschaftsgebäude, das zur Hofanlage gehörte.

Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine weitere Bauphase durch den Ausbau eines Stalles mit Futterküche und der überdachten, außergewöhnlich großen Dungstatt eingeleitet.

Der Weg zum Wohnhaus führt über die mit Obstbäumen bestandene Blumenkräuterwiese, vorbei an dem nach klassischem Vorbild angelegten Bauerngarten. Das traufseitig erschlossene mitteldeutsche Bauernhaus weist in seinem westlichen Teil mit seinem quadratisch figurenlosen Fachwerk in das frühe 18. Jahrhundert. Auffallend ist zudem die exakte Übereinstimmung des im Siegerland seltenen schwalbenschwanzförmigen Untertraufbrettabschlusses, der sowohl am Wohnhaus wie an der Scheune zu finden ist.

Der mittlere Teil des Wohnhauses beachtet in seiner Ausführung noch nicht die nassau-oranische Bauordnung von 1790 (Skellsche Bauordnung), was im Zusammenhang mit dem Vorhandensein eines grob gefugten Gewölbekriechkellers und der Existenz eines Eichensparrendaches eher eine ältere Datierung wahrscheinlich sein lässt. Zwar wurde hier die hessische Strebenbildung des „Wilden Mannes" mit den dazugehörigen Halsriegeln übernommen, ansonsten aber die zweigeschossige Bauweise mit der verriegelten Schwelle und dem adäquat verriegelten Rähm sowie den bis auf, den Steinsockel durchgehenden Bundpfosten beibehalten.

Es handelt sich hier um ein traufständiges, zweigeschossiges, quer aufgeteiltes Ernhaus in Fachwerkbauweise, dessen Kernbau in das 18. Jh. zu datieren ist.

Im 19. Jahrhundert erhielt es einen Stallanbau an der rechten Giebelseite. Das Erdgeschoss des Stallanbaues ist massiv; das Obergeschoss zeigt an der straßenabgewandten Traufseite sog. Siegerländer Sparfachwerk. Auf der straßenabgewandten Traufseite des Kernbaues ist das Fachwerkgefüge des 18. Jahrhunderts mit Mann-Figuren sichtbar. Die übrigen Seiten des Hauses zeigen eine Schiefer- bzw. Holzverkleidung.

Die ursprüngliche Aufteilung des Gebäudes ist noch heute nachvollziehbar. Viele Details, wie z.B. schmuckvolle alte Türen und Wandverkleidungen sind erhalten, ebenso wie ein eindrucksvoller Gewölbekeller.