Denkmal des Monats - August 2010

Südwestfalen und Münsterland
Verwaltungsgebäude Utsch - Ehem. Reichsbank (Siegen)



Die Deutsche Reichsbank erwarb 1908 das Grundstück in der Wilhelmstraße 40 (heute Spandauer Straße) von den Gebr. Carl und Hermann Jüngst für 66.063,81 Mark. Auf dem Grundstück befand sich noch eine Gebäude, dass nach Hinweis im Grundbuch nur noch Abbruchwert hatte.

Zuvor hatte die Reichsbank ihr altes Gebäude am Löhrtor, das sie seit der Reichsgründung am 01.01.1876 nutzte, für 45.000 Mark an die Firma Kippenberger verkauft.

Im November 1909 wurde mit dem Bau des neuen Reichsbankgebäudes begonnen, das aus Hausteinen errichtet wird. Am 15. Mai 1911, nach ca. 18 Monaten Bauzeit, ist „...ein stolzer Bau entstanden, der mit seiner überaus vornehm wirkenden Fassade unserer ganzen Stadt zur Zierde gereicht." (Siegener Zeitung Nr. 76 v. 31.03.1911)

Die architektonische Gesamtleitung hatte Architekt Neumann aus Berlin und zahlreiche Firmen aus dem heimischen Raum sind am Bau beteiligt gewesen, so z.B. Fassadenputz: Guckes und Brück, Siegen, Erdarbeiten: Fritz Zimmermann, Siegen, Marmor von Gerken Söhne, Siegen, Schmiedearbeiten durch Kottmann und Comp., Siegen, Lieferung von Walz- und Gußeisen: I.G. Reichwald, Siegen u.s.w. Auch heute noch stellt sich das Haus mit seinen rustizierenden Quadern im Erdgeschoss als imposantes Bauwerk dar.

Bei dem Objekt handelt es sich um ein traufenständiges, dreigeschossiges Bauwerk. Das Untergeschoss ist durch eine Quaderverblendung mit Natursteinen als Sockelgeschoss ausgebildet. Die darauf stehenden beiden anderen Geschosse sind durch doppelte Lisenen zusammengefasst, die dann von einem Giebeldreieck im Dach bekrönt werden. Es ergibt sich so das Bild einer neoklassizistischen Tempelfassade. Dieser Baustil entspricht der Formensprache, die die Reichsbanken allgemein zu dieser Zeit bevorzugten. Im Erdgeschoss befindet sich die Kassenhalle, darüber die Verwaltungsräume, aber auch Wohnungen der Direktoren. Die Formensprache setzt sich im Inneren im Treppenhaus fort.

Denkmalwert ist insbesondere:

Das Gebäude mit seinem Hauptbaukörper, der unter einem Vollwalmdach zusammengefasst wird mitsamt dem leicht schmaleren rückwärtigen Teil. Im Inneren ist das Treppenhaus von besonderer Bedeutung für den Denkmalwert.

Das Gebäude ist bedeutend für die Stadt Siegen, weil es zu den Institutionen in dieser Stadt gehörte, die Siegen als regionales Wirtschaftszentrum auszeichneten. Diese Funktion ist auch heute noch klar ablesbar. Für seine Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche Gründe hinsichtlich der Architekturgeschichte und der Wirtschaftsgeschichte vor. Außerdem macht das Gebäude als neoklassizistischer Verwaltungsbau an einer Hauptverkehrsstraße in Siegen auch städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung geltend.

Die Einordnung als Baudenkmal i.S.d. Denkmalschutzgesetzes erfolgt auch unter dem Eindruck der im Jahr 2005/06 erfolgten Modernisierung und Renovierung des Gebäudes. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch eine Brandbombe leicht beschädigt. Wesentlichen Einfluss auf die Bausubstanz scheint diese Beschädigung nicht gehabt zu haben. Nach der Gebäudeerfassung der Bundesbank wurde nur der hintere Gebäudeflügel durch Bomben zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1949-1950 und kostete 52.380 Deutsche Mark.

Durch die Renovierung und Sanierung des Gebäudes 2009 sind viele Teile und Flächen im Inneren des Gebäudes wieder freigelegt und sichtbar gemacht worden, so auch die in kleine viereckige Felder unterteilte Gipsdecke des Kassenraumes. Durch die Haupteingangstüre gelangt man in den Vorraum, der im Sockelbereich mit Marmor verkleidet ist. Die gewölbte Decke ist in zarten, harmonischen Farben durch einen Restaurator ausgemalt worden. Ebenso die noch vorhandenen Perlstäbe am Übergang von der Wand zur gewölbten Decke. Türen und Fenster wurden, soweit nicht mehr vorhanden, nach historischem Vorbild wieder gefertigt und eingebaut.