Denkmal des Monats - April 2012

Südliches Westfalen und Münsterland
Die Justizvollzugsanstalt (Werl)



Lage der Anstalt

Die Justizvollzugsanstalt Werl befindet sich auf einem etwa 13,5 ha großen Gelände am Langenwiedenweg im Norden der Stadt Werl.

Belegung

Die Vollzugseinrichtung hat derzeit Platz für 863 Insassen, die in 3 Hafthäusern auf insgesamt 635 Einzel- und 228 Gemeinschaftshaftplätzen untergebracht sind; zum Ende nächsten Jahres werden 60 Haftplätze hinzukommen. Zudem wird eine weitere Unterkunft mit 150 Zimmern für Sicherungsverwahrte geplant. Damit gehört Werl zu den großen Justizvollzugsanstalten in Deutschland.

Vollstreckungszuständigkeit

Die Anstalt ist eine Einrichtung des geschlossenen Strafvollzuges für erwachsene männliche Strafgefangene. Entsprechend ihrer Zuständigkeit werden überwiegend längere Freiheitsstrafen an ca. 800 männlichen erwachsenen Strafgefangenen vollzogen. Ferner sind hier Sicherungsverwahrte untergebracht, deren Zahl (derzeit: 45) durch Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Bundesverfassungsgerichts rückläufig ist.

Sicherheit

Die Justizvollzugsanstalt Werl ist eine Anstalt mit hohem Sicherheitsgrad. Die Außensicherung ist gewährleistet durch eine bis zu 6 Meter hohe Mauer. Die darin integrierten 7 Beobachtungskanzeln sind rund um die Uhr mit Bediensteten besetzt, die unter bestimmten Voraussetzungen auch zum Schusswaffengebrauch verpflichtet sind.

Die Hafthäuser und das anstaltsinterne Außengelände sind zudem mit komplexen elektronischen Alarmsystemen gesichert.

Behandlung der Insassen

Die Bediensteten des seelsorgerischen, pädagogischen Dienstes sowie des Sozialdienstes, nicht zuletzt aber auch besonders die Bediensteten des allgemeinen Vollzugsdienstes und Werkdienstes, bieten je nach Bedarf Einzelfallhilfe und Gruppengespräche zu verschiedenen Problemkreisen an.

Behandlungsschwerpunkte bilden die Aufarbeitung von Persönlichkeitsdefiziten, Drogen- und Suchtberatung, Therapien für Gewalt- und Sexualstraftäter, soziales Training, arbeitstherapeutische Maßnahmen, Schuldnerberatung, Familienhilfe sowie allgemeine Entlassungsvorbereitungen.

Im Wohngruppenvollzug, immerhin ca. ein Drittel aller Haftplätze, können die Insassen ihre Freizeit innerhalb eines Haftbereiches gemeinsam verbringen und so ein alltägliches Übungsfeld für Selbstorganisation, angemessenen Interessenausgleich und gewaltfreie Konfliktlösung finden.

Beschäftigte

Etwa 450 Bedienstete sind in der JVA Werl, dem derzeit größten Arbeitgeber in der Stadt Werl, tätig. Sie alle arbeiten gemeinsam am gesetzlichen Vollzugsziel mit. Dieses Ziel hat der Gesetzgeber im § 2 des Strafvollzugsgesetzes so formuliert:

„Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten."

Das Denkmal

1905 wurde der erste Spatenstich zum „Königlichen Zentralgefängnis Werl" getätigt. Der Entwurf des Projektes basierte auf Plänen eines Gefängnistyps, der in der Stadt Philadelphia (USA) gebaut worden war. Das viergeschossige Gebäude hat einen kreuzförmigen Grundriss und ist ein typisches Gefängnisbauwerk seiner Zeit. Der erste Bauabschnitt umfasste lediglich das Haus 1 mit dem Uhrenturm, dem angeschlossenen Lazarett, einigen Wirtschaftsgebäuden und einen Teil der Beamtenhäuser. Am 1. Juli 1908 wurde das Gefängnis offiziell eröffnet. Später erfuhr das Gefängnis eine erhebliche bauliche Ausweitung. Es wurden die Häuser 2 und 3 ebenso wie etliche Werkstätten und Arbeitsräume erstellt. Ihnen folgten andere Neubauten in südlicher Richtung.

Der Eingangsturm am Verwaltungsflügel hat eine weit über die Anstalt hinausragende städtebauliche Bedeutung. Erwähnenswert ist auch die eindrucksvolle Gefängniskapelle. Die Außenfassade ist durch Putzflächen und Ziegelsichtmauerwerk gut gegliedert. 1989 wurden die historischen Teile der JVA unter Denkmalschutz gestellt. Gemeinsam mit 16 denkmalgeschützten Dienstwohnhäusern bildet die JVA ein geschlossenes Denkmalensemble.