Denkmal des Monats - August 2012

Ostwestfalen Lippe
Torwächterhaus am Hanekamp (Brakel)



An der Einmündung der Straße Südmauer in den Hanekamp, auch heute noch wichtigste Haupt- und Geschäftsstraße Brakels, befi ndet sich das sog. Torwächterhaus, ein auf die Stadtmauer der Südmauer aufgebautes langes, schmales 2-geschossiges Fachwerkgebäude. Die historischen Wurzeln dieses schmucken Gebäudes reichen bis in das Jahr 1306, als das Stadttor am Hanekamp erstmals als „Hanekampesdor" Erwähnung findet. Die Stadttore wurden von einem Wächter oder Pförtner bewacht, der mit seiner Familie neben dem Stadttor in einem Wächter- bzw. Pförtnerhaus wohnte. Die Wächterhäuser wurden in der gleichen Zeit erbaut wie die jeweiligen Stadttore. In Brakel gab es insgesamt 4 Stadttore mit entsprechenden Wächterhäusern.

Anfang des 19. JH. waren die Brakeler Stadttore so baufällig geworden, dass der Rat beschloss, sie abzureißen, da eine Reparatur zu teuer erschien. Als erstes Tor wurde 1802 das Hanekämper Tor abgebrochen. 1803 folgten die übrigen Tore sowie die 15 Mauertürme, während die Wächterhäuser zunächst erhalten blieben. Im Lauf der Zeit verschwanden sie jedoch auch, nur das Haus am Hanekamp hat die Zeit bis heute überlebt. So begab es sich, dass z. B. die Familie Ferdinand Kleinschmidt hier wohnte. Als siebtes von 12 Kindern wurde in diesem Haus der Brakeler Ehrenbürger Pater Dr. Beda Kleinschmidt geboren.

Am 12.10.1867 als Julius Theodor Kleinschmidt geboren, wurde er nach Rektoratsschule in Brakel und Gymnasium in Paderborn 1888 Franziskaner und wählte den Namen Beda. Er studierte Philosophie und Theologie. Die Priesterweihe erhielt er am 8. 8.1892 mit 25 Jahren im Dom zu Paderborn. Der Volksmund nannte ihn „Eggepater". Er starb am 7. 3.1932 in Paderborn.

Ca. seit Mitte des 19. JH. wurde das Haus im Erdgeschoß gewerblich genutzt. Um die Jahrhundertwende befand sich hierin das Uhren- u. Goldwarengeschäft Adolf Scheidt und danach die Schuhgeschäfte Heinrich Cordes und Moritz Mönnikes.

Vor der grundlegenden Instandsetzung, die zu dem heutigen Erscheinungsbild geführt hat, war es für die gewerblichen Nutzungen dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet worden. Hierbei wurde wie so oft weder auf die Fachwerkkonstruktion, noch auf das Zusammenwirken des Erdgeschosses mit den oberen Geschossen Rücksicht genommen. Alleiniger Maßstab waren große Schaufenster und auffällige Fassaden.

Nachfolgende Bilder geben den beschriebenen Zustand wieder. Damalige Nutzung war ein Schuhgeschäft.

Ende Oktober 1983 erfolgte dann ein Eigentumswechsel. Die neue Besitzerin ließ bald darauf eine umfassende und grundlegende Sanierung des uralten, und zuletzt recht marode wirkenden Gebäudes durchführen. Die fast ein Jahr lang dauernde Instandsetzung führte zu einer Wiederherstellung der Fachwerkkonstruktion des Erdgeschosses, so dass sich auch die Nordgiebelseite wieder als geschlossene Fassade darstellt. Dass sich dabei auch moderne Elemente wie z.B. die gläsernen Wetterschutzelemente in den Altbestand einfügen, wenn auf die konstruktiven Elemente Rücksicht genommen wird, zeigt der Blick auf die heutige Situation.