Denkmal des Monats - Dezember 2012

Südliches Westfalen und Münsterland
Ehemaliges Bahnhofsgebäude Friedrichshütte (Bad Laasphe)



Die Bahnstrecke von Laasphe bis Feudingen, an der auch der Bahnhof Friedrichshütte liegt, wurde bis Juli 1888 fertiggestellt. Das Empfangsgebäude mit Güterschuppen stammt aus dieser Zeit. Es handelt sich dabei um ein zweigeschossiges Gebäude auf rechteckigem Grundriss, welches sich aus einem giebelständigen und einem traufenständigen Gebäudeteil zusammensetzt. Die weit überkragenden, schiefergedeckten Satteldächer bilden unterhalb der abgewalmten Giebeldreiecke Schwebegiebel, die von verzierten Streben und Pfetten abgefangen werden. Die Längsseite zum Bahnhofsvorplatz gliedert sich durch verschieden hohe Anbauten. Bis auf den Bruchsteinsockel ist das ganze Gebäude verschiefert, wobei eine weitere Gliederung des Gebäudes durch die Zierverlegung des Schiefers und zusätzlich durch ein Sohlbankgesims im Obergeschoss erfolgt.

An dem giebelständigen Gebäudeteil ist der eingeschossige Fachwerkgüterschuppen angebaut, der wie das Empfangsgebäude auf einem Bruchsteinsockel steht. Die erste Fensterachse ist,  wie das Hauptgebäude, verschiefert. An der Gleisseite befindet sich in diesem Feld ein nachträglicher Garageneinbau. Die gegliederte Baugruppe bildet zeitlich und architektonisch eine Einheit. Die Bahnhofsanlage gehört zu den wenigen noch erhaltenen und fast unveränderten Anlagen aus ihrer Entstehungszeit.

Durch die Anwendung der typischen Baustoffe Holz und Schiefer passt sich die Gebäudegruppe gut in das Landschaftsbild ein und dokumentiert mit vorbildlichem Charakter die bodenständige Bauweise des Wittgensteiner Landes. Zudem dokumentiert sie die stilgeschichtliche Entwicklung von  Kleinbahnhöfen vor der Jahrhundertwende und ermöglicht somit Vergleiche mit anderen zeitgleichen Bahnhöfen. Darüber hinaus legt die Bahnhofsanlage Zeugnis über die verkehrs-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Entwicklung der Stadt sowie der Region ab. Obwohl schon 1851 der Plan für eine Eisenbahnlinie Siegen-Marburg über Laasphe entstand, wurde mit dem Ausbau der Teilstrecke Laasphe-Marburg erst am 29.12.1880 begonnen. Bis zum Juli 1888 wurde die Strecke von Laasphe bis Feudingen weiter ausgebaut. Unerhört schwierig gestalteten sich die Arbeiten beim Bau dieser Eisenbahnstrecke. Es mussten Tunnel gebaut und Dämme aufgeschüttet werden, um die Eisenbahntrasse zu schaffen. Ohne Zweifel stellte in der damaligen Zeit der Bahnbau einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Ortsbildes dar. Wittgenstein hatte mit dem Bahnbau den Anschluss an das deutsche Verkehrsnetz gefunden. Die Eisenbahn übernahm von nun an den Transport der Güter und Erzeugnisse und die Beförderung der Menschen. Damit besserte sich die industrielle Lage am Ort und in der nahen Umgebung. Die Infrastruktur verbesserte sich, die Bahn wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber und gab dem einheimischen Handwerk neue Verdienstmöglichkeiten. In der Eisenindustrie führte die Eisenbahnverbindung zum Ruhrkohlenbezirk zur Umstellung der Hochöfen von Holzkohle auf die nun gut einzuführende Steinkohle, welches zu einer Produktionsverbesserung und Steigerung in der Eisenindustrie führte. Für die Erhaltung und Nutzung des Bahnhofes liegen somit wissenschaftliche, insbesondere architektur-, verkehrs-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gründe vor.

Der ehemalige Bahnhof Friedrichshütte, Gemarkung Wittgenstein-Kunst, Flur 3, Flurstück 200, wurde von der Deutschen Bundesbahn an den Kreis Siegen-Wittgenstein veräußert und im Jahre 1989/1990 zu einer Rettungswache umgebaut. Die Umbauarbeiten wurden mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege abgestimmt und erfolgen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Im Rahmen der späteren Bauunterhaltung erfolgten weitere Sanierungsarbeiten, so z.B. die Entfernung des Kunstschiefers im Dachgeschossbereich und Wiederherstellung der darunter noch vorhandenen Leistenschalung. Da dieses Bauwerk die stilgeschichtliche Entwicklung von Kleinbahnhöfen vor der Jahrhundertwende dokumentiert und darüber hinaus Zeugnis ablegt über die verkehrs-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Entwicklung der Stadt Bad Laasphe sowie der Region, wurde vom Kreis Siegen-Wittgenstein die Eintragung in die Denkmalliste nach § 3 Denkmalschutzgesetz beantragt. Die Gesamtanlage wurde am 01.07.1991 in die Denkmalliste der Stadt Bad Laasphe eingetragen.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist ein hervorragendes Beispiel für die Umnutzung eines Denkmalobjektes, das seinen ursprünglichen Nutzungszweck verloren hat.

 

Quellennachweis: Denkmalwertbegründung des Westf. Amtes für Denkmalpflege vom 27.06.1989;

Literatur: Feudingen 1218 - 1968. Laasphe und das Obere Lahntal in alten Bildern. Die sterbende Eisenbahn Wittgensteins; Niederlaasphe im Wandel der Zeit.