Denkmal des Monats - Februar 2012

Ostwestfalen Lippe
Ritterstraße 21 - Bürgerschule von 1834 (Minden)



Ursprünglich wurde diese Schule als zweigeschossiger, verputzter Backsteinbau mit einem schlichten Satteldach errichtet. Das Gebäude war auf acht Klassen und zwei Reserveklassen ausgelegt. Diese waren symmetrisch mit vier Klassen pro Etage angeordnet und durch einen zentralen Flur mit vorderem und hinterem Eingang sowie zweiläufi ger Treppe im hinteren Bereich erreichbar. Die Reserveklassen lagen jeweils an den Giebelseiten des Dachgeschosses.

Unter dem Flur und der südlichen Gebäudehälfte befinden sich Gewölbekeller die sich bis unter den Vorplatz erstrecken.

Der Rhythmus der Fassade wurde durch die Fenster der Klassenräume geprägt, die im Obergeschoss der Vorderfront zusammen mit zwei Flurfenstern eine gleichmäßige, achtachsige Reihe bildeten. Der portikusartige Haupteingang, der repräsentativste Teil der Fassade, passte sich dem strengen Rhythmus an. Er nimmt die Breite des Flures ein und rahmt mit einem flachen Dreiecksgiebel über einem Gebälk und vier Pfeilern die zweifl ügelige Eingangstür sowie zwei schmalere seitliche Fensterfelder. Der Fries trägt die Inschrift BÜRGER.SCHULE.1834.

Die Schulglocke hing in einem zentralen Dachreiter mit polygonalem Grundriss.

Wohl im Jahre 1903 erfolgte die Aufstockung mit einem breiten Zwerchhaus im Bereich der vier mittleren Fensterachsen. Es erhebt sich mit flachem Dreiecksgiebel über einem Gebälk, das auf Eckpilastern ruht. Seine siebenteilige Front besitzt Fenster in den drei mittleren und beiden äußeren Feldern, die den gleichartigen Fenstern der übrigen Geschosse axial zugeordnet sind. Ein Rundfenster ziert den Giebel. Die Klassenräume in den beiden Hauptgeschossen erhielten an den Traufseiten nun vier Fenster und komplettierten somit die bis heute überlieferte Fassadengestaltung.

Die neoklassizistische Gestaltung passte sich dem Klassizismus des Ursprungsbaues an. Im Treppenhaus lassen Eisenträger mit aufgesetzten Blechrosetten und Blechstufen mit floral gestalteter Lochung darauf schließen, dass die gegenläufige Treppe der Umbauphase des frühen 20. Jahrhunderts zuzurechnen ist.

Sämtliche vier Fassaden werden von einer Blendarchitektur aus kräftigen Kolossal-Eckpilastern eingefasst, die ein umlaufendes Gebälk, bestehend aus einem Architrav mit drei Faszien und einem ausladenden Traufgesims tragen. Kubische Aufsätze oberhalb der Traufe bekrönen die Ecken. Die Binnengliederung der Fassade ist nicht mehr nachvollziehbar, da später zusätzliche Fenster eingebaut wurden.

Die Rückseite entspricht in ihrem Aufbau weitgehend der vorderen Fassade. Abweichend gestaltet ist der Treppenhausbereich, indem die Wand hier um einige Zentimeter vorspringt und Fenster und Türen eine andere Aufteilung besitzen.

Nach Aufgabe der Schulnutzung stand das seit 1985 unter Denkmalschutz stehende Gebäude einige Jahre leer und wurde in den Jahren 2004-2006 behutsam zum Wohngebäude mit insgesamt acht Eigentumswohnungen umgebaut. Hierbei wurden im Erdgeschoss je zwei Klassenräume zu einer Wohnung zusammengefasst und im Obergeschoss sowie im Dachgeschoss je drei Wohnungen eingerichtet. Alle Wohnungen sind weiterhin über das historische Treppenhaus erreichbar. Zusätzlich wurde ein Aufzug eingebaut. Mehrere Fenster der Giebelseiten wurden wieder geöffnet und an der Rückseite Balkone angebaut.