Denkmal des Monats - Oktober 2012

Ostwestfalen Lippe
Erasmuskapelle (Warburg)



Von der Straße „An der Burg" führt der Weg vom Sackturm aus auf den Burgfriedhof. Er wurde ab 1832 dort angelegt, wo in der Zeit um 1000 die Burg des Grafen Dodiko stand. Diese fiel nach seinem Tod an den Bischof von Paderborn, der sie über Jahrhunderte als wichtigen Stützpunkt nutzte. Die letzten Ruinen wurden im 19. Jahrhundert beseitigt. Auf dem Friedhof erhebt sich die Erasmuskapelle. Die Oberkapelle steht über der Krypta der Andreaskirche aus dem 12. Jahrhundert und damit über dem wohl ältesten erhaltenen Baudenkmal der Stadt. Die Andreaskirche entwickelte sich aus einer dem heiligen Andreas geweihten Kapelle, die sich bereits um 1000 auf dem Burggelände befand. Die dreischiffi ge Basilika war 47 m. lang und 27 m. breit. In der zweiten Hälfta des 16. Jahrhunderts war sie weitgehend verfallen. 1681 ließ Ferdinand von Fürstenberg, der Gelehrte und Kunstmäzen auf dem Paderborner Bischofsstuhl, über der damals offen liegenden Krypta die jetzige Oberkapelle im Barockstil errichten. Über dem Zugang sind das Stifterwapenn und die Erbauungsinschrift zu sehen. Insbesondere im 18. Jahrhundert war die Kapelle das Ziel vieler Wallfahrer aus dem Hochstift Paderborn und aus den katholischen Enklaven der protestantischen Nachbarregionen. Der heilige Erasmus zählt zu den 14 Nothelfern. In den Jahren vor dem Bau der Oberkapelle waren die Fürsprache des Heiligen viele Heilungen zugeschrieben worden. Sichtbares Zeugnis der Erasmusverehrung ist die in der Kapelle stehende Statue des Heiligen mit einer Reliquie im Brustbereich.

Lohnend ist auch ein Gang über den stillen Burgfriedhof mit seinem Baumbestand; einige der Grabdenkmäler stammen noch aus dem 19. JH. Vom nahen Rondell aus ist ein eindrucksvoller Blick auf die malerische „Akropolis" von Warburg mit dem historischen Rathaus zwischen den Städten, der Kirche St. Maria im Weinberg und dem Gymnasium Marianum. Die Einfassung des Rondells ist Teil des im frühen 20. Jh. abgebrochenen Neustädter Marktbrunnens, bei der dort aufgestellten Kanone handelt es sich um die Nachbildung eines Geschützes aus dem 16. Jh. Vom Sacktor führt die malerische Sackstraße in die Altstadt hinunter. Der „Sack" war Teil eines über die Diemel führenden alten Fernweges. Er gilt aufgrund zahlreicher Funde in den anliegenden Gärten als älteste Straße der Stadt, die von vielen Reisenden auf ihrem Weg ins heutige Hessen passiert wurde. An und oberhalb dieser Straße entstanden die ersten Handwerker- und Bedienstetensiedlungen im Schatten der Burg.