Denkmal des Monats - Dezember 2010

Südwestfalen und Münsterland
Ehem. Franziskanerkloster (Rietberg)



Am 13. Januar 2008 konnte die Rietberger Franziskanerkirche nach einer grundlegenden Innenrenovierung von dem Paderborner Weihbischof Matthias König im Rahmen eines sonntäglichen Pontifikalamtes unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wieder eingeweiht werden. Damit erstrahlt ein prachtvolles Gotteshaus, das eines der bedeutendsten Baudenkmäler im historischen Stadtkern der ehem. gräflichen Landeshauptstadt Rietberg darstellt, wieder in neuem Glanz.

Die Klostergründung

Die Entstehung von Kirche und Kloster ist eng mit der Rekatholisierung der Grafschaft kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges verbunden. Im Jahre 1610 war das Land nach einer gut 70 Jahre währenden protestantischen Zeit auf Anordnung des Grafenhauses offiziell zum katholischen Glauben zurückgekehrt. Das Franziskanerkloster wurde gegründet, um nach mehrjähriger Missionsarbeit durch die Jesuiten die Stadt- und Landbevölkerung in ihrem wiedergewonnenen katholischen Bekenntnis dauerhaft zu festigen.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Kirche und Kloster wurden auf dem Gelände der frühesten für Rietberg nachweisbaren gräflichen Burg im Bogen der Ems errichtet. Im Jahr 1618 erfolgte die Grundsteinlegung, 1629 die Weihe durch den Paderborner Weihbischof Johannes Pelcking. Bis 1621 war der Kernbau der Klosteranlage entstanden. Die Kirche war zunächst ein schlichter Saal mit einem 3/6-Chorschluss und flacher Holzdecke. Bei der Erweiterung um  zwei Joche im Jahre 1725 wählte man statt des maniriert gotisierenden Maßwerks schlichte Rundbogenfenster. Ab 1716 wurde anstelle des einfachen Klosterbaues von 1629 eine dreiflügelige Klosteranlage mit Kreuzgang errichtet. Bis 1743 kam noch ein Ökonomieflügel entlang der Ems hinzu.

Mehr als 350 Jahre lang unterstützten die Franziskaner die Seelsorge in den umliegenden Pfarrgemeinden. In gräflicher Zeit betreuten sie zudem die Rietberger Schlosskapelle und die Kapelle auf Schloss Holte. Sie leisteten Armenspeisungen und übten bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Lehrtätigkeit am gegenüber liegenden Gymnasium Nepomucenum (Fachwerkbau um 1748) aus.

Aus Mangel an Nachwuchs wurde das Rietberger Franziskanerkloster 1967 zu einer Residenz herabgestuft und im Jahre 1975 aufgehoben. Vier Jahre später verließ der letzte Franziskanerpater die Emsstadt. Die Kirche mit ihrer wertvollen barocken Ausstattung, darunter eine bedeutende Orgel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, wird seitdem von der kath. Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist betreut. Seit dem 1. Juli 1969 nutzt das Jugendwerk Rietberg, eine Einrichtung der freien Jugendhilfe, die vom Verein für Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn e.V. getragen wird, die Klostergebäude.

Die Krypta mit der Grablege der Grafen von Rietberg

In der heute vom Klosterhof (Torhaus zur Emsstraße) zugänglichen Krypta unter dem Hoch-chor, zu der man ursprünglich vom Ordensaltar der Kirche aus gelangte, wurden 12 Mitglieder des gräflichen Hauses Ostfriesland, Rietberg und Kaunitz beigesetzt, unter ihnen auch die Klostergründer Graf Johann III., Gräfin Sabina Catharina und (deren Sohn) Graf Ernst Chris-toph. Hier wurde zudem das vom mährischen Brünn (Tschechien) nach Rietberg überführte Herz der letzten in Rietberg geborenen Erbgräfin Maria Ernestine Franziska, verheirate Gräfin von Kaunitz-Rietberg, in einer vergoldeten Kupferkapsel bestattet.

Im Rahmen der jüngsten Innenrestaurierung konnte die Krypta wieder annähernd in ihre ursprüngliche Größe zurückversetzt werden. Dabei hat auch das Herz von Maria Ernestina Franziska einen würdigen Ort der Aufbewahrung gefunden. Seit dem 20. Februar 2008, dem 250. Jahrestag seiner feierlichen Beisetzung, ist die aus Spendenmitteln und mit Unterstützung der Stadt Rietberg sowie der Bürgerstiftung Rietberg vollkommen neu gestaltete Krypta der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

 

Manfred Beine, Archivar der Stadt Rietberg
Literatur: Manfred Beine/Käthe Herbort (†): Rietberg. Historischer Stadtrundgang (Westfälische Kunststätten 67), hrsg. vom Westfälischen Heimatbund in Verb. mit dem LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen und dem Kulturamt der Stadt Rietberg, 2. überarb. u. erweit. Aufl., Münster 2008, 86 S.