Denkmal des Monats - Juni 2013

Südwestfalen und Münsterland
Industriedenkmal Kugelgasbehälter auf der Schemscheid (Siegen)



Der Kugelgasbehälter wurde in den Jahren 1934/1935 von der Fa. Kölsch-Fölzer-Werke AG in Siegen mit einem Durchmesser von ca. 15,70 m, einem Rauminhalt von ca. 2.026 cbm und einem Stückgewicht von ca. 152 t hergestellt.

Er diente zur Aufnahme von ca. 10.000 cbm Stadtgas und wurde als Pufferspeicher für die örtliche Gasversorgung eingesetzt. Der durch Gasdruck bis ca. 6 bar beanspruchte Blechmantel besteht aus Baustahl St 52, die Nieten aus St 44 und die übrigen Stahlbauteile aus Flussstahl St 37. Die Kugel wird in acht Punkten durch eine Stahlkonstruktion auf Punktfundamenten gestützt. Die senkrechte Systemlinie der Unterstützungen tangiert den Äquator der neutralen Mantelblechfaser, so dass Horizontalkräfte, durch Eigengewicht oder Wärmeausdehnung, welche eine Einbeulung der Mantelbleche hervorrufen könnten, ausgeschlossen wurde. Damit dieses einwandfrei geschehen konnte, wurden die Füße der Stützen auf Schneiden aufgesetzt. Die Köpfe der Stützen sind mit elastischen Gliedern versehen.

Die Kugelmantelfläche wird aus 48 unterschiedlich großen Blechen gebildet. Die großen Bleche wurden gewählt, um erstens eine möglichst geringe Länge der Nietnähe zu erhalten und zweitens, um Gewicht zu sparen. Außerdem wird die Dichtigkeit der Behälter erhöht, je weniger Nietnähte vorhanden sind. Die Verbindung der einzelnen Bleche geschieht durch dreireihige Nietung mit Doppellaschen. Die äußeren Blechflaschen und Nietköpfe sind sorgfältig verstemmt, so dass der Undichtigkeitsverlust minimal ist. Der Behälter ist innen mit Leinöl und außen mit Bleichmennige in der Erstfassung gestrichen worden.

Der Kugelbehälter ist mit einer fahrbaren Leiter versehen, die für Anstricharbeiten und zur Außenkontrolle dient.

 

Technikgeschichte

Mit dem Einsatz von Kugelgasbehältern wurde bei der Gasspeicherung technik-geschichtliches Neuland beschritten. Im Allgemeinen wurden Gasbehälter als Niederdruckgasspeicher entweder als Behälter mit Wasserbassins oder als Scheibenbehälter ohne Wasserbassins ausgebildet. Der Kugelgasbehälter verfolgt als Hochdruckgasbehälter eine andere konstruktive Lösung. Es wird hierbei Gas in die Behälter gepresst, um anschließend über einen Druckregler mit 0,1 bar dem Netz zugeführt zu werden.

Die Entwicklung und Bauausführung derartiger Kugelgasbehälter erfolgte entsprechend der Fachliteratur erst Mitte der 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Derzeit kann festgestellt werden, dass es sich bei dem Siegener Behälter um den zweitältesten noch erhaltenen genieteten Kugelgasbehälter handelt

Aufgrund der Entwicklung der Schweißtechniken wurden mit Beginn der 50er Jahre Nietkonstruktionen aufgegeben und Kugelgasbehälter nur noch in geschweißter Form ausgeführt.

Insoweit stellt der Kugelgasbehälter für die Technikgeschichte des Siegerlandes und für die Geschichte der Menschen in dem von der Stahlindustrie und Blechverarbeitung geprägten Raum ein bedeutendes Zeitzeugnis dar.

Im Jahre 1978 wurde der Behälter außer Betrieb genommen, da der Speicher zur Gasversorgung der Stadt Siegen nicht mehr benötigt wurde.

In einer spektakulären Aktion mit Hilfe eines riesigen Autokrans wurde der Behälter am 9. September 1993 unter großem Interesse der Öffentlichkeit um ca. 46 m an den heutigen Standort versetzt, da er der im Bau befindlichen Stadtautobahn weichen musste.

Im Jahre 2000 plante und errichtete die Klasse 10 a des Peter-Paul-Rubens-Gymnasiums mit Unterstützung der Schüler des Aus- und Weiterbildungszentrums der Bauinnungen Siegen-Wittgenstein und Olpe und mit Hilfe großzügiger örtlicher Sponsoren oberhalb des Behälters an der Achenbacher Straße einen Planetenlehrpfad. Der Gasbehälter symbolisiert hier modellhaft die Sonne und zeigt eindrucksvoll die Größenverhältnisse zur Erde, hier als 14,3 cm große Bronzekugel dargestellt, und zu weiteren 10 Planeten in Form von maßstäblichen Edelstahlkugeln. Alleine die Entfernungen zwischen den Planeten konnte nicht maßstabsgetreu wiedergegeben werden.