Denkmal des Monats - Januar 2009

Südliches Westfalen und Münsterland
Das 'Haus zum Spiegel' (Soest)



Der ehemalige Adelshof "Zum Spiegel" gehört in die Gruppe der Patrizierhöfe der Barockzeit. Zeittypisch ist der zweigeschossige Massivbau mit hohem Walmdach weiß verputzt und mit schlichten Tür- und Fensterrahmungen aus Grünsandstein versehen. Das Erscheinungsbild wird weitgehend durch die klaren Proportionen und die Regelmäßigkeit der schlichten Rechteckfenster mit kreuzförmiger Teilung in vier Flügel und Kreuzsprossen bestimmt.

Der Grundriss wird durch den etwas links von der Mitte gelegenen Flur geteilt, der an beiden Enden, d.h. zum Garten und nach vorne hin mit großen, rundbogigen Portalen abgeschlossen wird.

Im 30-jährigen Krieg wurde das Gebäude stark zerstört und später wieder aufgebaut. Die Maueranker in der Front zeigen die Jahreszahl 1696. Dass das Gebäude aber tatsächlich noch älter ist und Reste eines Vorgängerbaus enthält, beweist u.a. ein Fen-sterrahmen in der Westfassade des Hauses mit gotischer Profilierung und ohne Bezug zu den heutigen Geschosshöhen. Auch die bei C. L. Meyer zitierte urkundliche Erwähnung eines Bürgers Rogge, zur Zeit der Soester Fehde 1446 wohnhaft im Spiegel, und die spätere Nennung des "Johann von Affelen bei dem Spiegel" im Jahre 1606 belegen die frühere Existenz dieses Patriziersitzes.

Das an der östlichen Seite des Hauses gelegene zusätzliche Treppenhaus mit etwas niedrigerer Traufe und Walmdach wurde im Jahre 1914 angebaut. Durch seine über Jahrhunderte unveränderte Nutzung ist das Haus, bis auf den Anbau und einige wenige kleinere Eingriffe im Inneren, weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand erhalten.

Daher dokumentiert es sowohl die Bauweise, als auch die Wohnverhältnisse einer Patrizierfamilie zum Ende des 17. Jh.

Das "Haus zum Spiegel" beherbergt seit 1974 das Archiv und die wissenschaftliche Bibliothek der Stadt und seit 1991 auch Büro-, Archiv- und Zeichenräume der Stadtarchäologie Soest.

Das Stadtarchiv mit dem größten mittelalterlichen Bestand einer Stadt in Westfalen bewahrt unter anderem die "Alte Kuhhaut", das Stadtrecht aus dem 13. Jh. und das berühmte Nequambuch mit 13 farbigen Miniaturen zur Gerichtsbarkeit auf. Das Fotoarchiv enthält etwa 70.000 Motive aus Soest und seiner Umgebung.

Eine wissenschaftliche Bibliothek ist seit der Mitte des 16. Jh. belegt. Heute enthält sie ca. 70.000 Titel. Hierzu gehören z.B. Bibelfrag-mente aus dem 9. Jh., 40 mittelalterliche Handschriften ab dem 12. Jh., 120 Inkunabeln (seltene Drucke des 15. Jh.) und viele Unikate und Raritäten.Der südliche Garten ist weitgehend in seiner barocken Gestaltung erhalten und zählt zu den wenigen ursprünglichen denkmalwerten Gartenanlagen in Soest

Als Denkmal des Monats Januar 2009 wurde das "Haus zum Spiegel" ausgewählt, weil es zu den repräsentativsten Gebäuden seiner Zeit in Soest gehört. Auch ist die heutige Nutzung vielen Besuchern des Stadtarchivs bekannt, nicht aber was früher dort war und wie solch ein Haus "funktionierte". Gleichzei-tig zur Vorstellung früherer Wohnformen soll die Arbeit des Archivs, welche nicht nur für die Denkmalpflege unverzichtbare Arbeitsvor-aussetzung ist, mit vorgestellt und gewürdigt werden.