Denkmal des Monats - Februar 2009

Südliches Westfalen und Münsterland
Wohn- und Geschäftshaus (Rietberg)



In der ehemals gräfliche Landeshauptstadt Rietberg mit ihren zahlreichen giebelständigen Fachwerkbauten des 16. bis 19. Jahrhunderts bilden traufenständige Häuser eher die Ausnahme. Ein solches, auffallend breit gelagert und von durchaus stadtbildprägender Bedeutung, stellt das Wohn- und Geschäftshaus Rathausstraße 15 dar.

Der vorkragende Mittelrisalit mit Zwerchhaus und das profilierte Kranzgesims der Traufe geben dem im 18. Jh. entstandenen Gebäude einen repräsentativen Charakter. Dem entspricht, dass das Fachwerk ursprünglich unter dem Verputz nicht sichtbar war und das Gebäude den vornehmeren Anschein eines Massivbaus vermitteln sollte. Beispiele solcher ästhetischen Verkleidung der Konstruktion bieten in Rietberg auch das Haus Münte (Müntestraße 10), in dem ab 1745 die gräfliche Regierung unterbracht war, und auch das Alte Progymnasium, das anfangs, ab 1748 vollständig verputzt war.

Ein solcher barocker Befund trat nun auch beim Haus Rathausstraße 15 zu Tage. Er wurde bei der jüngsten Wiederherstellung des Hauses im Jahre 2003 aufgegriffen und zum Bestandteil des Restaurierungskonzeptes. Der für Rietberg ungewöhnliche Haustyp und die besondere Farbfassung ließen das wiederhergestellte Haus zu einem auffallenden und attraktiven Baudenkmal an der Hauptgeschäftsstraße der Stadt werden.

Der Mittelteil und Südflügel des Hauses dienten von Anfang an Wohnzwecken, während eine Durchfahrtsscheune im wirtschaftlich genutzten nördlichen Teil des Hauses erst im 19. Jh. zugunsten des Einbaus eines zweigeschossigen Wohnbereichs aufgegeben wurde. Allerdings blieb zunächst ein reduzierter Durchgang zum rückwärtigen Bolzenmarkt erhalten, der bei der erfolgten durchgreifenden Restaurierung im Jahre 2003 wiederhergestellt wurde.

Der Weg führt zwischen einem Ladengeschäft und einer Bäckerei mit Café an einem neu an-gefügten Ostflügel mit Arztpraxen und Wohnungen vorbei über den Bolzenmarkt Richtung Emsstraße. Die alte Deelentorsituation des 18. Jh. wurde sowohl zur Rathausstraße hin als auch auf der Rückseite wirkungsvoll wieder sichtbar gemacht.

Mit Hilfe eines durchdachten Gesamtkonzeptes für eine nachhaltige Restaurierung, aber auch in der Realisierung zahlreicher baulicher Details, konnte ein Baudenkmal, für das schon ein Abbruchantrag vorlag, erhalten und ausgestaltet werden, das in seinem Gegensatz von historischen und modernen Elementen bei vielfältiger Nutzungsmöglichkeit mustergültige Züge aufweist.