Denkmal des Monats - Juli 2009

Ostwestfalen Lippe
Das Niedertor (Blomberg )



Am tiefsten Punkt der historischen Altstadt von Blomberg befindet sich heute wie vor fast 500 Jahren das sogenannte Niederntor. Zusammen mit zwei weiteren Toren, dem Heutor (Hohes Tor) und dem Neuen Tor regelte es den Ein- und Ausgang der spätmittelalterlichen Stadt. Die Tore bildeten zusammen mit einer starken Stadtmauer und sechs darauf befindlichen Mauertürmen sowie weiteren sechs, in einiger Entfernung um die Stadt herum platzierten Warttürmen, die vergleichsweise starke Befestigungsanlage, die die Stadt und die landesherrliche Burg Blomberg sicherte.

Das um 1530 in Bruchstein errichtete Niederntor ist das einzige in Lippe erhaltene Stadttor. In anderen Städten sind die Stadttore spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen worden, da sie ihre Sicherungsaufgaben verloren hatten und mehr und mehr zu Verkehrshindernissen wurden. In Blomberg blieb als Zeugnis des späten Mittelalters das Niederntor bestehen und ist heute in seiner Einzigartigkeit ein besonderes Wahrzeichen der Stadt.

Mit einer Höhe von fast 20 Metern auf quadratischem Grundriss ist das Tor ein Stadtbild prägendes Bauwerk in der Blomberger Unterstadt. An der stadtauswärts gewandten Seite erkennt man deutlich die Aussparung für das ehemals vorhandene Fallgatter und die beiden Führungsöffnungen für die Ketten, mit denen das Gatter bewegt wurde. Vier Steinkonsolen am dritten Obergeschoss trugen einen hölzernen Erker, von dem aus das umliegende Land beobachtet werden konnte.

Im Schindel gedeckten Dachreiter des Tores hängt seit dem Jahre 1844 eine von Bürgern der Stadt gestiftete, klanglich hochwertige Glocke, die zu besonderen Anlässen wie z.B. Begräbnissen von Einwohnern der Unterstadt geläutet wurde. Stadtseitig zugewandt befindet sich im Giebel des Tores unter einem sogenannten, leider stark verwittertem, Neidkopf das hölzerne Zifferblatt einer lediglich mit einem Stundenzeiger ausgestatteten Uhr. Das im Stadttor erhaltene mechanisch angetriebene Uhrwerk aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert, stammt ebenso wie das Ziffernblatt aus dem Turm der Martinikirche und wurde 1846 in das Niederntor eingebaut. Uhrwerk und Ziffernblatt sind gut erhalten und funktionstüchtig. Sie sind ein eindrucksvolles technisches Dokument früherer Zeitmessung.

Das Uhrwerk wurde in 2007 grundlegend saniert und mit einem Endloskettenaufzugsystems zum automatischen Aufziehen der Antriebsgewichte ausgestattet. Die Aufzugseinheit wurde unterhalb des Uhrentisches installiert. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Uhrwerks konnte dadurch gewahrt werden. Der vorhandene Betrieb mit großen steinernen Gewichten wurde stillgelegt und mit reduzierten Gewichten in die Uhrenkammer verlegt. Neben dem Wegfall des wöchentlichen Aufziehens wird durch diesen Eingriff auch das Uhrwerk entlastet und kann somit hoffentlich noch viele Jahre den Blomberger Bürgern akustisch wie optisch die Zeit anzeigen.