Denkmal des Monats - Februar 2007

Südliches Westfalen und Münsterland
Haus Bispinck (Warendorf)



Die südliche Bebauung der Münsterstraße ist im Bereich der Altstadt von Warendorf vornehmlich durch die Architektur des 20. Jh. geprägt. Direkt neben dem modernen Hauptgebäude der Sparkasse befindet sich mit dem ehemaligen Wohnhaus der Fabrikantenfamilie Bispinck, dem heutigen „Sparkassenforum“, ein Haus aus der Frühphase des vergangenen Jahrhunderts. Der Bauantrag vom 21.03.1901 für den Neubau dieses Hauses wurde am 15.04.1901 genehmigt. Der Bauherr war der Kaufmann Hermann Diepenbrock. Zusammen mit dem bereits 1887 neu errichteten Nach-bargebäude bewohnten die Familien Diepenbrock und Bispinck das Anwesen. Die Familien waren seit der Heirat von Christoph Bispinck und Elisabeth Diepenbrock im Jahre 1888 verbunden.

Der aus Münster stammende Kaufmann Christoph Bispinck wurde Teilhaber des Textilunternehmens Eduard Wiemann, der bereits seit 1847 mit Brinkhaus eine erste Maschinenweberei gegründet hatte. Seit der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert besaßen Wiemann & Bispinck an der Brinkstraße eine Niederlassung. 1966 übernahm Brinkhaus die aus den Handelsregistern gelöschte Firma.

Von den beiden Wohnhäusern an der Münsterstraße hat sich nur das Gebäude mit der Nummer 19 erhalten. Das Nachbarhaus wurde für den Sparkassenneubau 1967/68 abgebrochen. Auch das bestehende Fabri-kantenwohnhaus galt 1969 in einem Katalog über die Warendorfer Bürgerhäuser als nicht erhaltenswert. In der Bauzeit des Historismus griff der Architekt nur auf Formelemente zurück, die er aus den verschiedenen Epochen der europäischen Kunstgeschichte kannte. Erst in den 1990er Jahren wurde auch die Architektur des Historismus denkmalwürdig. Bei der Begründung wurde neben dem äußeren Erhaltungszustand vor allem auf die historische Innengliederung des Raumgefüges und deren Ausstattung eingegangen. So haben sich verglaste Innentüren und bleiverglaste Farbfenster mit Blumenmotiven aus der Zeit des Jugendstils erhalten. Neben den Boden-fliesen und dem Treppenhaus aus der Bauzeit besitzt das Gebäude in zahlreichen Wohnräu-men noch Stuckornamente und –friese im Jugendstil. Die farbigen Reliefs wurden bei der jüngsten Baumaßnahme hinter Verschalungen neu entdeckt und restauriert.

Innerhalb der Warendorfer Altstadt nimmt das großzügig ausgestattete Wohnhaus des Historismus eine Sonderstellung ein. Bei vergleichbaren Objekten aus der Zeit der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert reduziert sich die Architektur auf das äußere Erscheinungsbild. Die inneren Ausstattungen sind dort längst verloren gegangen oder waren von vornherein nicht so prachtvoll ausgeführt worden.