Denkmal des Monats - August 2007

Ostwestfalen Lippe
Schachtschleuse (Minden)



Die von 1911 bis 1915 gebaute Schachtschleuse liegt im Abstieg vom Mittellandkanal zur Weser. Ihr Standort  wurde unmittelbar westlich der Kanalbrücke unterhalb der natürlichen Flussterrasse gewählt, um ein direktes Wechseln der Schiffe zwischen Kanal und Weser zu ermöglichen.

Sie wurde mit ihrer ausgereiften und ästhetisch aufbereiteten Technik bis heute zum Mittelpunkt touristischen Interesses. Bereits in früheren Reiseführern wurde nicht nur die Gestaltung des Gebäudes selbst, sondern auch seine Einbindung in die Landschaft und der prächtige Ausblick von der Plattform am Unterhaupt über den Kanal und die Stadt hinweg bis zum Wiehengebirge mit der Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal hervorgehoben. Am augenfälligsten ist das Schleusenbauwerk am Unterhaupt, welches von seinen zwei 35 Meter über das Unterwasser hinausragenden Hubtürmen, zwischen denen die Steuerbrücke gespannt ist, entscheidend geprägt wird. Das im unteren Teil aus Beton und oben mit Mauerwerk erstellte Gebäude wurde mit glatten Blöcken heller Basaltlava verkleidet, wobei nur die Ecken mit bossierten Quadern betont wurden. Die notwendigen Fenster wurden mit nur knappen Öffnungen schlicht eingeschnitten. Die Dächer sind als Mansarddächer mit roter Ziegeldeckung ausgeführt, wobei die Türme eine Dachkonstruktion aus Eisen enthalten.

Das Unterhaupt ist mit einer dreibogigen Straßenbrücke verbunden, durch deren mittleren Brückenbogen die Schiffe in die Schleusenkammer fahren, wobei es die Funktion eines würdevollen und monumentalen Empfangstores erhält.

Unter den Schleusen und Schiffshebewerken stellt die Mindener Schachtschleuse durch die stockwerksweise Anordnung ihrer 16 Sparbecken, was aufgrund von Platzmangel notwendig wurde, eine besondere Bauform dar. Durch diese Betriebseinrichtung konnte der in der Regel fast völlige Wasserverlust erheblich eingeschränkt werden, da nun bei jeder Abwärtsschleusung nur etwa 35% des Wassers in die Weser abflossen.

Die erste Schleusung fand am 16.02.1915 statt. Obschon jährlich mehr als 10.000 Was-serfahrzeuge geschleust werden, ist es nach wie vor ein imposantes Schauspiel, wenn Schiffe in die 85 Meter lange und 10 Meter breite Schleusenkammer einfahren und in nur sieben Minuten den Höhenunterschied von mehr als 13 Metern überwinden, um ihre Fahrt fortzusetzen. Interessierte Besucher Mindens können dieses Erlebnis selbst genießen, indem sie eine Tour mit der „Weißen Flotte“ buchen.

Aufgrund steigender Normmaße in der Binnenschifffahrt muss in den kommenden Jahren ein Neubau das nahezu hundertjährige Bauwerk ersetzen, welches dann als Baudenkmal weiter erhalten bleibt.