Denkmal des Monats - Mai 2007

Ostwestfalen Lippe
Kump mit mittelalterlichem Gewölbe (Nieheim)



Im Nieheimer Stadtkern befanden sich ursprünglich vier Brunnenkümpe. Heute sind davon noch drei erhalten. Gespeist werden die Kümpe durch den Nikolausbach, der bereits seit der Stadtgründung im 13. Jh. zur städtischen Wasserversorgung genutzt wurde.

Dieser, heute zum großen Teil verrohrte Bach entspringt der Nikolausquelle, die etwa 300 m südlich der Stadt in der Lehmkuhle liegt. Um die Trinkwasserversorgung zu verbessern, nahm man bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jh. den Bau einer Wasserleitung aus hölzernen Rohren in Angriff.

In diesem Zuge wurde an der  Ecke Marktstraße / Schäferstraße bereits 1575 ein erster Kump errichtet. Dabei handelt es sich nicht um Brunnen im eigentlichen Sinne, sondern um große, runde Wasserbecken, die meist aus Sandsteinplatten gefertigt wurden. Über ein Zuleitungsrohr erhielten sie Ihr Wasser, das über einen Fontänenaufbau ähnlich wie bei einem Springbrunnen in das Becken verteilt wurde. Der Vorteil von Kümpen gegenüber Brunnen bestand darin, dass man aus ihnen, bequem und schnell das Wasser entnehmen konnte, was besonders im Brandfall wichtig war. Ein weiterer Brunnenkump befindet sich an der Ecke Marktstraße / Lange Straße und trägt den Namen „Alten Müllers Kump“.  Auch dieser Kump besteht aus einem runden Trog, der aus Sandsteinplatten gefertigt ist und wird ebenfalls von zwei Eisenbändern zusammengehalten. An der südöstlichen Seite des Kumps befindet sich ein bronzener Wasserzapfhahn in Gestalt eines Tierkopfes. Weil ihnen die Entfernung zum städtischen Kump an der Kirche zu groß war, ließ eine Gruppe von Anwohnern der Kreuzung Marktstraße / Lange Straße in diesem Bereich 1855 auf eigene Kosten einen Kump errichten, der auf ein ebenfalls neu gebautes Gewölbe gesetzt wurde, das unmittelbar an die alte Brücke, die dort das ehemalige Bett des Nikolausbaches überwölbte, anschloss. Dieses mannshohe und ca. 25 Meter lange mittelalterliche Gewölbe ist einmalig in Westfalen. Das Gewölbe ist begehbar, jedoch durch ein verschlossenes Eisengitter gesichert, so dass regelmäßig nur ein Blick in die Unterwelt Nieheims möglich ist. Führungen sind auf Wunsch jedoch möglich. Blickt man in Richtung Siebenbergstraße in das Gewölbe, so erkennt man sehr schön den Anschluss des breiteren Kumpgewölbes an das ältere Gewölbe, dem Widerlager für die hölzerne Brü-cke über die Marktstraße, und man sieht aus dem Mauerwerk des Kumpgewölbes deutlich eine etwa 1 m breite Stufe herausragen, die zu einer Treppe gehörte, die zum Nikolausbach führte. Der Nikolausbach fließt noch heute durch das Gewölbe.

So wie die Anwohner an „Alten Müllers Kump“ taten sich auch andere Bürger zusammen, um durch den Bau von Kümpen die Wasserversorgung in ihrer Nachbarschaft zu verbessern. In den Jahren 1855 / 1856 wurden noch zwei weitere Kümpe an der Kreuzung  Lange Str. / Lüttgestr. und an der Schäferstraße geplant und gebaut.