Denkmal des Monats - Mai 2006

Südliches Westfalen und Münsterland
Haus Köppelmann / Rokokosaal (Lippstadt)





Das Haus Köppelmann wurde ca. 1720 als repräsentativer Wohnsitz des preußischen Festungskommandanten Graf Retberg errichtet. Im Jahre 1800 ging das Retberg'sche Patrizierhaus durch Kauf an Wilhelm Köppelmann über, der einer Gastwirtsfamilie entstammte. Er baute das Gebäude zu einem Gasthof um. Die sich damals in unmittelbarer Nähe zur Post befindliche Herberge erfreute sich bald eines guten Rufes. So entwickelte sich das Objekt im Laufe der nächsten Jahrzehnte nach und nach zu einem florierenden Hotel. Den größten Umbau erlebte das Gebäude nach Aufgabe des Hotelbetriebes in den Jahren 1966/67. Der Durchbau des Erdgeschosses führte zum Verlust einiger stilvoller Räume, u. a. des ehemaligen Restaurantes.

Dennoch ist das Gebäude mit der reichhaltigen Innenarchitektur von unschätzbarem Wert. Dies wird vor allem in dem großen Festsaal im 1. Obergeschoss deutlich. Seine Dekoration entstand zwischen 1750 und 1760. Wie eine Vielzahl anderer festlicher Nebenräume im Haus Köppelmann wurde auch der Saal damals im Stil des Rokoko umgestaltet. Diese Gestaltung führte dazu, dass der Saal heute zu einem baugeschichtlichen Zeugnis von überregionaler Bedeutung geworden ist.

Der Rokokosaal im Haus Köppelmann ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Malerei und Plastik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen können. Zierliche Rahmungen fassen eine Vielzahl von Gemälden und Monatsbildern ein. Die besondere Betonung einzelner Gemälde wurde durch plastische "Bekrönungen" aus Stuck erreicht.

Die gut erhaltenen Gemälde sind eindrucksvolle Zeugnisse eines der im 18. Jahrhundert in der Malerei bevorzugten Themas, der Darstellung des Landlebens. Beispiele sind u.a. die Szenen Sämann, Gärtner, Schnitter, Knecht und Magd, Ernte der Winzer, die Jagd und die Schlachtzeit. Ergänzend zu diesen Motiven werden in den vier Ecken des Raumes symbolisch die 4 Jahreszeiten dargestellt. Die Sonne und die Planeten Erde, Mars, Venus, Jupiter und Saturn schmücken die Decke.

Hervorragend gestaltete Türen mit breiten Oberlichtern runden das grazile Gesamtbild der nahezu zerbrechlichen Schönheit des Rokokosaales ab.

Der gesamte Festsaal bietet somit heute die wundervolle Möglichkeit, in die Welt des Rokokos einzutauchen, eine Epoche, in der die Salons, die schöne Literatur und das kleine Konzert besonders beliebt waren. Der Saal wird noch heute gastronomisch und gelegentlich für musikalische Veranstaltungen genutzt.