Denkmal des Monats - März 2006

Südliches Westfalen und Münsterland
Theater am Wall (Warendorf)





Vor den Toren der Altstadt von Warendorf am Wilhelmsplatz angrenzend an die Promenade entstand 1950 das Theater am Wall. Es trug wesentlich zur Erweiterung des kulturellen Angebotes dieser Stadt bei.

Bauherr und Betreiber Theo Sparenberg hat den Düsseldorfer Architekten, Hans Rüttgers, als „Spezialist für Filmtheaterbau“ mit der Planung und der Errichtung des Gebäudes beauftragt. Das „Theater am Wall“ war das 200. Lichtspielhaus in seiner bis dahin 25jährigen Tätigkeit. Es entstand ein schlichter sachlicher Baukörper, stillistisch noch eng verwurzelt mit der Vorkriegsarchitektur, die erst zur Mitte der 50er Jahre hin durch den Stil   dieser Epoche abgelöst wurde. Durch die Auflage der Stadt, eine Bühne und einen Orchestergraben zu integrieren, entstand nicht nur ein Lichtspielhaus, sondern ein Theater, das über die ansonsten übliche Lichtspielhausnutzung für weitere Veranstaltungen, wie Theateraufführungen und Konzerte, zur Verfügung stand. Diese Möglichkeiten wurden von dem Eigentümer intensiv genutzt. Theo Sparenberg organisierte Gast-spiele, Konzerte, Schlagerparaden, Matinees, Jubiläen und Vereinsfeiern. Nach Etablierung des Kulturringes fanden immer mehr Veranstaltungen im Theater am Wall statt, so dass das kulturelle Angebot ausgeweitet wurde.

Als wichtiges Zeugnis und kulturelles Dokument der Kinogeschichte der frühen Nachkriegszeit ist das „Theater am Wall“ seit dem 04.03.1991 - 41 Jahre nach seiner Erstellung - als jüngstes Baudenkmal der Stadt Warendorf in die Denkmalliste eingetragen. Diese fast vollständig erhaltene Originalsubstanz außen wie innen einschließlich Ausstattung aus der Erbauungszeit haben den Ausschlag zur Entscheidung für die Eintragung des relativ jungen Baukörpers in die Denkmalliste gegeben. Eingetragen sind der gesamte Baukörper einschließlich die im Inneren noch erhaltenen Ausstattungsgegenstände und die im Filmvorführraum vorhandenen Vorführgeräte aus der Erbauungszeit.

GEBÄUDEBESCHREIBUNG:


Das Gebäude ist als verputzter Massivbau mit flachgeneigtem Walmdach erstellt. Die Hauptfassade ist zum Wilhelmsplatz ausgerichtet. Die Fassade ist achsial aufgebaut mit einem zweigeschossigen Vorbau, der im Erdgeschoss die Kassenhalle und im Ober-geschoss eine Wohnung aufnimmt. Zurückgesetzt schiebt sich der eingeschossige Foyerbau durch diesen zweigeschossigen Baukörper, der auf der Dachfläche die Dachterrassen der Wohnung aufnimmt. Es schließt sich der quergelagerte Theater- und Kinosaal mit seiner Bühne und Nebenräumen an. Alle Hauptfassaden dieses Gebäudes sind achsial gegliedert. Die Hauptfassade zum Wilhelmsplatz besitzt im Erdgeschoss zwei große Eingänge und drei Schaukästen für Programmanzeigen. Die drei Fenstertüren des Obergeschosses sind durch kaum vortretende Balkone mit Brüstung zusammengefasst. Die weiteren Fenster des Obergeschosses sind ebenfalls als Türen mit schmalem Balkon ausgebildet. Die Fenster und Türen der Hauptfassade und das kleine Fenster der Nebenfassade erhielten eine Kunststeinrahmung in einem graugrünen Farbton, der an einen für die jüngere Baugeschichte in Warendorf typischen Anröchter Stein erinnert. Im Inneren des Gebäudes ist bis auf wenige Details noch die gesamte Ausstattung der Erbauungszeit erhalten. Zu ihr gehören insbesondere die Kassenanlage, die Foyerausstattung mit Garderobe und Ablage, die Wandpaneele, die Türen und die Wandleuchter sowie die Schaukästen. Das Langfoyer ist darüber hinaus noch mit zwei Ecktischen sowie einem Sofa ausgestattet. Des Weiteren sind im Kino- und Theatersaal tlw. die alte Bestuhlung, die Wandbespannung aus den 60er Jahren sowie die Wandleuchten, die Deckenleuchten und die Bühnenausstattung einschl. Orchestergraben mit Geländer erhalten. Besonders erwähnenswert sind die aus der Erbauungszeit stammenden Filmvorführgeräte im Filmraum.

Die Tapeten des Langfoyers sind ebenfalls der Erbauerzeit zuzuordnen.

Neben der dekorativen Adaption der modernen Kunst spielte bei der Produktion der 50er Jahre die Improvisation eine große Rolle. Am Material musste gespart werden, der Effekt durfte nicht viel kosten. Musterbeispiele für solche improvisierte Ambiente waren die bundesdeutschen Kinos.

„1. In der Zeitschrift Baumeister 47. Jahrgang 1950, Seite 665, berichtet der Architekt Dr. Ing. Gerhard Reder, Düsseldorf, in dem Aufsatz: Das Filmtheater – eine Bauaufgabe unserer Zeit – über Erfahrungen, die er auf einer Reise nach den USA gewonnen hatte. Danach galten dort folgende Gestaltungsgrundsätze: Im Äußeren ein schlichter, sachlicher Bau mit dezenten Filmankündigungen, ohne irgendeine schreiende Reklame. Im Inneren des Gebäudes findet man einfache sachliche Formen, denen man deutlich ansieht, dass sie nach den Belangen der Akustik geformt worden sind. Die Farbgebung ist neutral, um ungünstige Auswirkungen auf den Farbfilm zu vermeiden. Diese von Reder aufgestellten Grundsätze treffen in vollem Umfang auf das Gebäude des „Theater am Wall“ zu.