Historischer Ortskern Dahlem-Kronenburg

Stadtportrait

Das Eifelörtchen Kronenburg liegt im Oberen Kylltal in der Grenzregion zu Belgien und Rheinland-Pfalz und gehört als Teil der Gemeinde Dahlem mit 4.188 Einwohnern zum Kreis Euskirchen.

Die Gemeinde Dahlem befindet sich in einem der waldreichsten Gebiete Nordrhein-Westfalens und bietet auf gut markierten Wanderwegen und ausgeschilderten Radwegen erholungssuchenden Gästen hervorragende Möglichkeiten. Mit dem Kronenburger See verfügt der Ort über ein Freizeitzentrum für Wassersport aller Art.

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat in Kronenburg eine Kunstakademie ihr Domizil, die heute Weiterbildungsstätte des Landes Nordrhein-Westfalens ist. Überregionaler Anziehungspunkt sind die jährlich stattfindenden "Kronenburger Kunst- und Kulturtage" aber auch der mittelalterliche Handwerksmarkt im Bereich des Altstadtringes. Der Rundgang durch den historischen Ortskern führt die Besucher durch die "Wilhelm-Tell-Gasse" und zu der Pfarrkirche Sankt Johann Baptist. Das mittelalterliche Flair Kronenburgs mit seinen bis zu 400 Jahre alten Häusern konnte Dank vieler privater Initiativen frühzeitig restauriert werden


Rundgang

Der Besucher betritt Kronenburg, wie es schon vor Jahrhunderten geschah durch das spitzbogige Nordtor.

In den geschlossenen Straßenfronten aus alten Häusern, deren Rückwände in die Ringmauer einbezogen sind und die zur Straße hin hübsche Außengliederungen und Fachwerkaufsätze zeigen, verdient die Nr. 22, das Haus Pallandt mit seinem Wapen an der Fassade, besondere Beachtung.

Vor dem zweiten Tor, das den bürgerlichen vom feudalen Teil des Ortes trennte, steht ein langgestrecktes Fachwerkhaus. 1625 wurde dort in dessen Erdgeschoss ein zweites Stadttor gebrochen, welches einen kürzeren Weg ins Tal ermöglichen sollte. Gleich hinter dem Mitteltor befindet sich der kleine Friedhof, mit einem barocken Kreuz aus dem 17. Jahrhundert. Dahinter an der Mauer steigt eine schmale, enge Treppe empor, auf der der Besucher zu einer Stube gelangt, in der ehemals die Ratsversammlungen abgehalten wurden. Der darüber aufragende Kirchturm war als Wehrturm in die Umfassungsmauer einbezogen.

Nun steht der Besucher vor der größten Sehenswürdigkeit Kronenburgs: der Pfarrkirche St. Johannes, mit einem der bedeutendsten spätgotischen Innenräume der Eifel: Ein einziger in der Mitte stehender Pfeiler trägt die vier geschmückten Gewölbe. Dies ist eines der seltenen Exemplare der sogenannten "Einstützkirchen"; diese gelten nicht zu Unrecht als originale Zentralschöpfung der Gotik. Die Wurzeln dieses zweischiffigen Grundschemas findet man in den großen Hallenkirchen des Bettelordens: Diese Entwicklungslinie nahm mit der Jakobinerkirche in Toulouse (Baubeginn 1260) ihren Anfang; mit den zweischiffigen Hallen dieser Predigerkirchen wählte man gezielt eine Architektur, in der die Kanzel von jeder Stelle der Kirche aus gut sichtbar war.

In der Zeit der späten Gotik lassen sich an Saar und Mosel sowie in der Eifel viele Kirchen mit eben diesem Grundrissschema finden. Allein 37 Einstützkirchen sind nachgewiesen worden, 17 davon noch gut erhalten. Diese Bauidee wurde von Kardinal Nikolaus Cusanus nach Kues an der Mosel gebracht. Es wird angenommen, dass er sie aus der Franziskanerkirche zu Salzburg, wo er im Frühjahr 1451 auf einer Provinzialsynode weilte, importierte; denn noch im gleichen Jahr begann er mit dem Bau der Hospitalkirche St. Nikolaus in Kues bei Bernkastel und errichtete dort den ersten Einstützenraum in den alten Rheinprovinzen.

Der raschen Verbreitung dieses bis dahin einmaligen Grundrissschemas ist die Tatsache förderlich gewesen, dass so einflussreiche Herrschaften, wie der Erzbischof von Trier und die Manderscheider ein Besetzungsrecht des Hospitals besaßen.

So war es auch ein Manderscheider, Graf Cuno von Manderscheid Schleiden, der den Bau in Kronenburg veranlasste. Der Bau begann 1492 und nach 16 Jahren war die Pfarrkirche St. Johann Baptist in Kronenburg fertiggestellt. Es bestand eine große Ähnlichkeit zu ihrem Vorbild, der Hospitalkirche in Kues.

In typisch spätgotischer Manier steigen die Gewölberippen ansatzlos, ohne trennende Kapitelle und Kämpfer aus dem Mittelpfeiler und den Wanddiensten empor, die Rankenmalerei in den Gewölbefeldern ist zwar erst wenige Jahrzehnte alt, passt sich aber sehr geschmackvoll der Architektur an. Blickt der Besucher hinauf, sieht er die alten Gewölbeschlusssteine, auf denen Wappen, symbolische Darstellungen und in Form kleiner Figuren mehrere Heilige zu sehen sind. Ebenso beeindruckend ist der Schlussstein mit dem Steinmetzzeichen des Baumeisters, der sich, so vermutet man, mit einer kleinen Selbstdarstellung der Nachwelt präsentieren wollte.

Sehenswert sind aber auch der gotische Altar (um 1500) mit dem Relief eines Maßwerkfensters und einer Taube und eine steinerne Pieta (um 1530) auf dem linken Seitenaltar, die aus einem einzigen Stück geschlagen wurde. Dahinter befindet sich an der Wand ein großes Fresko des Drachenkampfes mit dem heiligen Georg, interessant wegen der ältesten Darstellung Kronenburgs im Hintergrund. Ebenso auffallend sind die Fresken der klugen und törichten Jungfrauen am Triumphbogen, die große Kreuzigungsgruppe im Chor (17. Jahrhundert) und die barocke Madonna im rechten Seitenschiff (18. Jahrhundert).

Die Straße endet unterhalb der Burgruine in der ehemaligen Vorburg. Dort steht seit 1766 das staatliche Amtshaus für den gräflichen Verwalter. 1719 wurde Kronenburg für 120.000 Gulden an die Blankenheimer Grafen verkauft. Diese setzten den Amtsmann Lafontaine dort ein, der sich das neue Burghaus errichtete. Die Kosten überstiegen jedoch jeden Voranschlag und der Amtsmann wurde fristlos entlassen.

Von 1769 an hatte die Familie Faymonville dieses Amt unter sich. Der letzten Vertreterin, dem bekannten Nettchen Faymonville, hat Kronenburg es zu verdanken, dass der Ort in den letzten Jahren nicht in Vergessenheit geriet. Sie wandelte das große Amtshaus in eine Herberge für Wanderer und Landschaftsmaler um und begründete so den ersten bescheidenen Tourismus für den Ort.

Die Burg Kronenburg ist heute nur noch eine Ruine. Die Ruine ist stockwerktief von den eigenen Trümmern verschüttet. Der Blick von dort oben lohnt jedoch den Weg hinauf.

Ein Spaziergang auf den umliegenden Höhen sollte der Besucher Kronenburgs nicht versäumen. Ebenso empfiehlt sich ein Besuch des gleichnamigen Stausees (28 ha), in dem gebadet, geangelt und gesegelt werden darf, auch der Rundweg um den See bietet ein angenehmes Landschaftserlebnis.